Speed-Dating der Karteileichen
| 30.11.2006 |
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| Holweide - Ein förmliches Schreiben der Partnervermittlungsagentur bescheinigt ihren Kunden, dass die erfolglosen Verkupplungsbemühungen nun eingestellt werden. Zum Abschlusstreffen der „Crème der Karteileichen“ geladen zu werden - ein frustrierender Gedanke. Die zwölf Amateurschauspieler der Comedia-Schauspielschule stellten in ihrem Stück „Die Unvermittelbaren“ dar, wie eine solche Veranstaltung ablaufen mag. Zu dem höchst amüsanten Abend im Krankenhaus Holweide hatte der Dritte Welt Aktionskreis geladen. In kühler Atmosphäre schoben sich sechs Männer und sechs Frauen gegenseitig die Schuld dafür zu, dass es zwischen den Geschlechtern manchmal einfach nicht hinhaut. So konnte jeder der „Unvermittelbaren“ endlich einmal alle Vorwürfe und Unterstellungen vom Stapel lassen, die Mann und Frau gegeneinander hegen und pflegen. Das fing bei „ihr Frauen wisst einfach nicht, was ihr wollt“ an und hörte bei „ihr Männer versteht uns eben nicht“ auf. Ab und zu eingeblendet wurden Rückblicke auf die erwartungsvolle Freude vor einem Speed-Date, an die sich unweigerlich Trennung und Enttäuschung anschlossen. Regisseurin Gisela Nohl, die die Texte geschrieben hat, beleuchtete in ihrem Stück die vergebliche Suche nach dem Liebesglück einmal erfrischend anders, und vor allem ohne die Tränendrüse der Zuschauer zu strapazieren. Den gut gelaunten Amateurschauspielern gelang es, unter herben Sprüchen und Angriffslust der „Unvermittelbaren“ einen verletzlichen Kern hervorscheinen zu lassen. Der Sarkasmus, den sich die desillusionierten Singles zum Selbstschutz zugelegt haben, sorgte gleichzeitig für ungemeine Erheiterung im Publikum. Das Krankenhaus Holweide hatte seinen Hörsaal kostenlos für die Benefizveranstaltung zur Verfügung gestellt, und die Schauspieler traten ohne Gage auf: Der gesamte Erlös der Veranstaltung kommt einem Schulprojekt in Bangladesch zugute. Dort unterhält der Dritte Welt Aktionskreis in den Slums der Stadt Khulna drei Kleinschulen, in denen morgens Kinder und nachmittags ihre Mütter unterrichtet werden. „Bisher haben wir zwölf Schulgruppen finanziert, seit diesem Jahr sind es 17. Dafür benötigen wir zusätzliche Mittel“, erklärte die zweite Vorsitzende des 1980 gegründeten Vereins, Hiltrud Genau. Die Kinder lernen dort Lesen und Schreiben, was ihnen den keineswegs selbstverständlichen Übergang in eine staatliche Grundschule ermöglicht. Den Müttern werden wichtige Kenntnisse über Gesundheitsvorsorge, Gartenbau oder Kleintierhaltung sowie handwerkliche Fähigkeiten vermittelt. In Verbindung mit einer Kreditvergabe, hat der Aktionskreis Holweide ein umfassendes Hilfsprogramm entwickelt, durch das es den Slumbewohnern gelingt, ihren Lebensunterhalt selbst zu erwirtschaften und der Armut zu entkommen. Rund 2000 Euro sind an diesem Abend zusammengekommen. „Mit so vielen Zuschauern hatten wir gar nicht gerechnet“, gestand Hiltrud Genau und freute sich: „Der heutige Abend trägt dazu bei, dass das Schulprojekt so gut weiterlaufen kann wie bisher“. |
