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Ein Spiel für alle Altersklassen

13.01.2006
http://www.ksta.de
Kölner Stadt Anzeiger
Das Kölner Arkadas-Theater zeigte Eric-Emmanuel Schmitts Stück „Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran“ im Forum.

Moses, Mohammed oder Momo - seinen Namen wechselt der elfjährigen Moses, der in einer jüdischen Straße in Paris lebt, schon einmal. Entscheidend ist für ihn die Tatsache, dass er sich angenommen fühlt. Dieses geborgene Gefühl bringt ihm die Freundschaft mit dem kauzigen Monsieur Ibrahim, dem einzigen Araber im Viertel. Doch der klärt ihn auf, dass er vor allem deswegen „der Araber“ genannt wird, weil sein Kolonialwarenladen täglich von acht bis 24 Uhr geöffnet hat. Auch am Sonntag.
So traurig Moses' Leben mit seinem Vater, einem verhärmten und strengen Rechtsanwalt ist, findet er in Monsieur Ibrahim doch einen Menschen, der ihm Lebensfreude, Mut und Selbstvertrauen schenkt.

Der französische Autor Eric-Emmanuel Schmitt schrieb mit „Monsieur Ibrahim“, den ersten Teil einer Trilogie über die großen Weltreligionen. Ibrahim folgt der Lehre des Sufismus, der mystischen Seite des Islam. Die meisten Sufis glauben, dass in allen Religionen eine grundlegende Wahrheit zu finden ist, und dass die großen Religionen von ihrem Wesen her dasselbe sind.

Zwei Lichtkegel, zwei Hocker und ein übergroßes Stehpult, auf dem eine Blockflöte liegt - mehr Requisiten brauchen Vedat Erincin in der Rolle des Monsieur Ibrahim, und Aydin Isik in der Rolle des jungen Momo nicht. Alles andere vermitteln sie durch ihre Kunst als Schauspieler. So spartanisch die Inszenierung von Ali Jalaly für das Kölner Arkadas-Theater ist, es bekommt dem Stück gut. Denn da werden zurecht zwei Schauspieler ins Licht gesetzt, die von Witz, Tiefgang und Wandlungsfähigkeit geradezu sprühen. Ihr Spiel ist etwas für alle Altersklassen. Dass es ihnen gefallen hat, machten die Schüler der weiterführenden Schulen gestern nach der Vormittagsvorstellung unüberhörbar klar.

Nach dem Selbstmord des Vaters, der es nie verwunden hat, dass seine Eltern in einem Konzentrationslager starben, er aber weiterlebte, begeben sich Moses und Ibrahim auf eine Reise. Es ist auch eine Reise in die Fantasie. Und vertraut man dieser, so setzen sich ungeahnte Kräfte frei. Für Moses heißt es denn zum Ende hin auch wieder Abschied zu nehmen, denn Ibrahim stirbt. Es ist eine Geschichte über das Erwachsenwerden, die Verwurzelung und ein Plädoyer an Toleranz und Aufgeschlossenheit. Solche behutsamen, tiefgründigen Einblicke in die Welt des anderen wünscht man sich mehr.

von Jan Sting