Nicht nur Körper, auch Seelen stehen zum Verkauf
| 01.06.2008 |
| Kölner Stadt-Anzeiger Nr. 121 Dienstag, 27. Mai 2008 |
| Darsteller aus 16 Herkunftsländern zeigen eine verrohte Welt. VON CLAUDIA HAUSER Die Welt des Drogenbarons Don Bosco Donatello und des Mädchenhändlers Don Eusebio ist finster und verroht. Hier werden 13-jährige Mädchen verschachert wie Vieh, und eine Gruppe verzweifelter Jugendlicher streift vor lauter Langeweile in einem perspektivlosen Dasein wie ein Rudel wollwütiger Hunde umher und sucht immer wieder neue Opfer, deren Körper verkauft werden können. Mittendrin zwei frisch verliebte: Romy, die Schwester eines Zuhälters, und Julio, Eusebios Sohn. Und wie die Namen es schon erahnen lassen, sollen sie wie ihre Shakespeare'schen Vorbilder Opfer der Sippenfehde werden. Die Unbedingtheit ihrer Liebe wird auf eine harte Probe gestellt. In der rohen Welt werden nicht nur Körper veräußert - auch Seelen stehen zum Verkauf. "Warlords" ist die zweite Inszenierung des ungarischen Autors und Regisseurs Kristóf Szabó. Im Arkadastheater wird das Stück zum ersten Mal auf Deutsch gespielt - mit einem Ensemble, das sich aus Darstellern aus 16 Herkunftsländern zusammensetzt. Szabós Inszenierung thematisiert das Kämpfen und Scheitern in einer kapitalistischen Gesellschaft, in der kein Platz ist für Liebe und Moral. "Die Welt steht kopf", sagt einer. "Wer überleben will, wird Söldner. Wer Kinder großziehen möchte, wird Hure." Die Stärke des Stücks liegt in seiner Vielschichtigkeit: Bild- und Klangcollagen sowie Tanzelemente begleiten die Erzählung. Eine Frauenstimme, die aus dem Off erklingt, gibt die Gedanken der Personen preis und hebt das Stück so auf eine höhere, eine poetische Ebene. "Warlords" wird ab Herbst wieder im Arkadas Theater, Platenstraße 32, Ruf 0221/955 95 10, gespielt. |