Frauen mit spitzer Zunge: „Minarette sich, wer kann“
| 10.03.2009 |
| Glocke, Gütersloh 10. März 2009 von Ulrike Poeter |
| Gütersloh. „Die wollen wir wiederhaben“, hatte sich Güterslohs Gleichstellungsbeauftragte Inge Trame nach dem Auftritt des „Putzfrauen-Kabaretts“ vor zwei Jahren vorgenommen. Gesagt, getan. Am Sonntag, passend zum 98. Weltfrauentag, haben die spitzzüngigen Kabarettistinnen aus Köln mit ihrem neuen Programm Multi-Kultimo“ in der „Weberei“ Station gemacht und – wie man es von ihnen kennt – kein Blatt vor den Mund genommen. Die rund 100 Besucherinnen (und einige wenige Besucher) waren begeistert. Eingedeutschte „Fremdlinginnen“ haben die Mehrheit im Land der Teutonen errungen. Multi-Kulti in Deutschland, das nun Islamanja heißt, ist am Ende. Wo lange in zwei Welten gelebt wurde, „wir lachen, weinen, beten, schlafen parallel“, herrschen jetzt die Islamverbände. Zwangsverheiratete Machos, bei denen Frauen und Kinder zu spuren haben, dominieren die Multi-Kulti-Träumer von gestern und ihre falsch verstandene Tolerierung. Atzende Kritik der Kabarettistinnen an deutschen Gerichtsurteilen, in die Gedanken der Scharia eingeflossen sind. Häme für ein „Pfuinanzloch“, in dem Schulden aufgehen, wie ein Brot im Backofen. Verachtung für Politiker, die ungedeckte Wechsel auf die Zukunft ausstellen und sie nach dem Wahltag zu Protest gehen lassen – frei nach dem Motto: „Es lebe das gebrochen Wort“. Ein Blick in die Zukunft: In Islamanja sind die alten Hüte des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) längst durch islamisches Recht, die Scharia, ersetzt worden. Prügeln ist erlaubt und auch Ehrenmorde sind salonfähig. Erst kürzlich sei im Iran eine Frau öffentlich gesteinigt worden, weisen Figen Canatalay und die gebürtigen Iranerinnen Asin und Afagh Esmailzadeh auf eine barbarische Strafe hin, die bei Ehebruch (von Frauen) in einigen islamischen Ländern noch heute zwingend ist. Mit geradezu akrobatischer Wortjonglage nehmen sich die Kabarettistinnen des heißen Themas an. Sie geißeln verbal nicht nur die Steine werfenden Rechthaber, die diese mosaische Strafe als Event sehen, sondern auch „den schönen (Miß)brauch“ an sich. Was auf den ersten Blick durch viele Wortdreher und eine frech inszenierte Präsentation (Regie und Texte: Rainer Hannemann) so flott und witzig daherkommt, ist knallharte Gesellschaftskritik – serviert in bewährt-charmanter Putzfrauen-Kabarett-Manier. Da ist Lachen erlaubt und erwünscht. Die Künstlerinnen wünschen sich jedoch auch Besucher, die sich im Nachhinein weiter Gedanken über die angesprochenen Themen machen, damit es nicht wirklich irgendwann einmal heißt: „Minarette sich, wer kann!“ Viel Applaus |