Dem Charme erlegen

Arkadas/Bühne der Kulturen

Shirin Boljahn will die Qualität des Theaters verbessern

Heribert Rösgen (Kölner Stadtanzeiger)

Ehrenfeld. Mit grünen Augen strahlt sie den Gesprächspartner an, ihre wilde dunkelblonde Lockenmähne verlangt immer wieder nach Bändigung: Shirin Boljahn steht merklich unter Anspannung, doch sie lächelt. Ihr offenkundiger Tatendrang und ihre positiv-optimistische Ausstrahlung überzeugen auf Anhieb. Als neue Intendantin des Arkadas-Theaters/Bühne der Kulturen startet sie jetzt in die neue Spielzeit. Das Theater in der Platenstraße soll möglichst oft ein "volles Haus" vermelden können - eine Überlebensfrage, trotz Zuschüssen des Kulturamtes. Shirin Boljahn erweckt bei der Vorstellung des Programms kein bisschen den Eindruck, als ob sie Zweifel hätte, dass dies auch gelingt. Auf eine Stellenanzeige hin kam sie an die kleine Spielstätte, die vor vielen Jahren in ein ehemaliges Vorort-Kino an der Platenstraße eingezogen war. "Es war das einzige Inserat, das mich wirklich interessierte", sagt die Theaterpädagogin. Mit Arif Ünal, dem Vorsitzenden des Trägervereins Bühne der Kulturen, war sie im Vorstellungsgespräch schnell auf einer Wellenlänge. Überzeugend für das Engagement am Gastspiel-Theater war dabei auch der überaus facettenreiche Ausbildungsweg der 29-Jährigen. Mit Kulturpädagogik und Sozialpädagogik sowie Tanz, Bewegung und Theater begann die gebürtige Rösratherin ihr Studium in den Niederlanden an der Hogeschool van Arnhem en Nijmegen, also der Hochschule Arnheim-Nimwegen, wo sie vier Jahre zubrachte. Beendet hat sie ihr Studium an der Kölner Fachhochschule mit dem Master für Interkulturalität, Sozialmanagement, Performativität, Kultur und Bildung. Erstmals handfest anwenden durfte sie das frisch Erlernte anschließend bei einem Engagement zur Organisation eines Kulturfestivals in Christchurch, Neuseeland. "Wir wollen mehr auf Qualität achten", betont Arif Ünal. Das sei in der Vergangenheit oft nicht so sehr befolgt worden, weshalb lange Zeit die Insolvenz drohte. Wirtschaftlich steht das Theater inzwischen besser da, doch es tun sich buchstäblich neue Baustellen auf, weil das betagte Gebäude seine Mängel deutlich zeigt.

"Aber wir wollen keinesfalls umziehen in einen Neubau. Dieses Haus hat Charakter und Charme", sagt Shirin Boljahn. Ihr hat es besonders der große Saal mit seinen nackten Backsteinwänden angetan.

Ein eigenes Ensemble

Ein weiteres Projekt, das in dieser Spielzeit angegangen werden soll: Der Aufbau eines eigenen Ensembles. Multikulturell soll es zwar sein, aber Boljahn will auch, dass die Herkunft eines Schauspielers keinen Einfluss auf seine Rollen bekommt. "Wenn ich in den Niederlanden geblieben wäre, hätte ich immer nur »die Deutsche« spielen können", sagt sie. Das aber war nicht der einzige Grund, der sie wieder nach Deutschland zog. Vor allem mag sie Köln und besonders Ehrenfeld - seit sie unweit vom Theater eine kleine Wohnung gefunden hat. "Ich bin zwar in Rösrath geboren, aber seit ich alleine Straßenbahn fahren kann, so oft es geht in Köln", erklärt Shirin Boljahn schmunzelnd.

Der neue Spielplan

Die Vielfalt des aktuellen Spielplans, der jetzt startet, reicht von englischsprachigem Tanztheater für Kinder über russischsprachige und türkische Inszenierungen, einen griechischen Jazz-Abend bis hin zu einer Liedermacher-Combo aus Hamburg. Zur Theaternacht am 1. Oktober steuert die Bühne der Kulturen drei Inszenierungen bei. (Rös)
13.09.2011