Passa Mera - Stationen einer Reise (Interview, Thema: Migration)

"Stationen einer Reise“

Die griechische Band Passa Mera berichtet bei ihrem Konzertabend "Stationen einer Reise" von den Erlebnissen und Erfahrungen, die Migranten gemacht haben. Diese handeln von Trennungen und Hoffnungen, von all den kleinen und sehr persönlichen Eindrücken, die beim Neuanfang in Deutschland entstanden sind. Zielgruppe sind nicht nur Griechen oder Gastarbeiter anderer Länder. Die Reise versteht Passa Mera als das Leben selbst, das zwangsläufig und fortlaufend Veränderungen mitbringt. "Alles fließt, nichts bleibt" ruft uns da der griechische Philosoph Heraklit aus der Antike zu. Am 23. September lässt sich dies im auf der Bühne der Kulturen ab 20:00 Uhr live erleben.

Presse:
Wie seid ihr auf die Idee gekommen, ein Konzert mit solchen Themen wie Migration, Integration und Identität zu machen? Wie ist der Zugang der Band dazu?

Kate:
Wenn nicht wir, wer sonst? Ich selbst bin in Melbourne, Australien geboren, nach Thessaloniki, Griechenland und später nach Deutschland gewechselt. Meine und Kostas Eltern sind Gastarbeiter der 1. Generation gewesen. Sie sind voller Sehnsüchte nach einem besseren Leben nach Deutschland gekommen.

Presse:
Und das Thema Deutschland - Griechenland war stets präsent?

Kate:
Momentan ist das Schlagwort Griechenland natürlich durch das wirtschaftliche Desaster geprägt. Unsere Eltern sprachen ständig, von dem was sie verlassen hatten. Von ihren Ängsten, zu lange in Deutschland zu bleiben. Ihre Identität, ihre Ursprungsfamilien und sich selbst in der Fremde zu verlieren. Dabei stellten wir schon als Kinder fest, dass Ausländer in der Fremde sehr konservativ sein können. Als eine Art Antwort auf den Kulturschock, der sie manchmal erwartet.

Presse:
Die Heimatländer der Gastarbeiter sind auch mit der Zeit gegangen und haben sich geändert. Wie ist die Reaktion darauf, dass Heimatland und Gastland in vielerlei Hinsicht ähnlicher werden?

Kostas:
Viele Menschen fühlen sich überfordert, wissen nicht nach welchen Normen sie leben sollen. Die Veränderungen, für die der Westen viel länger Zeit hatte, prallen im Süden in Ländern wie Griechenland in sehr kurzen Abständen auf die Menschen und fordern ihnen sehr viel ab.

Presse:
Aufhalten lässt es sich doch nicht, dass in Europa die Wirtschaftskultur andere Kulturen, wie die der Medien und letztzlich die der Menschen synchronisiert?

Kostas:
Wahrscheinlich nicht! Es geht aber nicht darum, uns gegen die Zeit zu stellen, um diesen oder jenen Strom aufzuhalten, sondern Entwicklungen in vernünftige Bahnen zu lenken. Wir möchten in einer multikuturellen Gesellschaft Verständnis und Respekt füreinander erhalten und ausbauen. Der Fortschritt soll Tradition nicht grundsätzlich weg¬schwemmen. Es darf im Miteinander etwas ganz Neues ent-stehen. Und selbst wenn Altes und Neues nebeneinander bestehen, ist es ja auch nicht so schlimm. Ängste sind sehr oft Grund, weshalb Menschen intolerant werden.

Presse:
Jetzt macht ihr ja Musik und seid keine Politiker? Wie seht ihr die Rolle der Künstler?

Kate:
Gott sei Dank - wir sind Musiker! Wir stehen für gelebte Kultur und möchten mit den Menschen singen und tanzen. Um es mit den Worten eines Politikers auszudrücken: "Und das ist auch gut so!"
27.06.2011